FLAXblog

Stufen

von Joumana Al Hassoun, FLAX postcardstories, FLAX Women Academy

Drei TV-Show-Gewinner, die nichts gemeinsam hatten, teilten sich den 1. Preis: Einen dreitägigen Aufenthalt in einem Luxushotel. Mr. Bean hatte einen unverwechselbaren Sinn für Humor, Rudy hatte gar keinen Sinn für Humor dafür und Ursula hatte ein vergessliches Wesen.

Als sie im Hotel ankamen, stellten sie fest, dass das Hotel 75 Stockwerken noch war und ihr Zimmer im 75. Stock lag! Der Rezeptionist erklärte ihnen, dass das Hotel ein spezielles System hatte, bei dem alle Aufzüge automatisch um 22 Uhr geschlossen wurden und wenn sie die letzte Fahrt verpassten müssten sie die Treppe hinaufsteigen.

Dann begannen sie ihren Urlaub, gingen ins Zimmer, packten aus und genossen die Aussicht. Später gingen sie nach unten, ins Restaurant und in die Bar. Sie hatten unerwarteter Weise viel Spaß miteinander. Als sie wieder ins Hotel kamen und alles verschlossen vorfanden, erinnerte sie sich an was der Rezeptionist ihnen gesagt hatte.

Also entschieden sie die Treppe hinaufzusteigen. Mr. Bean schlug vor: “Jeder von uns erzählt eine Geschichte. Wir wechseln alle 25 .Stockwerken. Alle stimmten zu . Mr. Bean erzählte seine lustigsten Abenteuer die ersten 25 Stockwerke. Die Zeit verging schnell. Rudy erzählte Ihnen von der 20.Auflage des Steuergesetzbuches vom Nordpol. Das war so langweilig, das sie froh waren als es endlich vorbei war. Nun war Ursula an der Reihe: “Ich habe keine Geschichte für Euch“. Die anderen beschwerten sich bitterlich und verärgert schwiegen sie die letzten 25 Stockwerke. Als sie endlich die Tür erreichten, wandten sie sich Ursula ihnen zu und sagte: Jetzt werde ich ihnen die schlimmste Geschichte meines Lebens erzählen…ich habe den Schlüssel im Erdgeschoss vergessen habe !!!!“

Postcard Stories Project by FLAX Women Academy by Nawara Amar

 

Schief

An einer Stelle auf dieser Erde, wird ein Bild an einer schiefen Wand aufgehängt. Zufrieden schaut es die Welt an. Überheblich schauen die Anderen es an. Jedes Mal, wenn jemand an dem Bild, das an der schiefen Wand hängt ,vorbeigeht, stört ihn der Anblick des Bildes. Es wird sich Mühe gegeben, es gerade zuhängen. Fast jeder versucht es.

Das Bild versteht dies nicht. Es lässt es geschehen, was soll es auch sonst tun. Aber das viele Verschieben und Zurecht rücken, lässt die Ecken verdrecken, die Farbe verblassen und die Aufhängung brüchig werden.

Bei einem beliebigen Luftzug fällt es schließlich hinab.

Aber die Geschichte ist immer noch nicht zu ende. Die Menschen, die an dem Bild vorbeigegangen sind, beginnen sich zu streiten, denn manche sagen, das die Luft Schuld ist, und manche sagen, dass die Wand Schuld ist und manche sagen, dass das Bild Schuld ist.

Postcard stories Flax Women Academy by Zeina Kanawati

The Battle

The music was loud. I did not hear anything.

When his lips moved it looked funny.

I smiled.

I tried a new dance move.

My hips and boobs were wagging.

His lips stopped moving.

Stillness in roar.

Slowly he started to move to the rhythm.

He bend his down to my head.

Drawing a line with his lips

Leaving a trace by his breath

From my forehead

to my temple

to my cheekbone

to my chin

into my ear and he whispers:

„And the battle just begun. There is many lost, but tell me who has won“

published by FLAX books

Gibt es ein soziales und kulturelles Coming Out ?

von Lanna Idriss

Du wählst was dir wichtig ist. Deine Interessen, deine Themen, deine Werte. Und dann kommt der Zeitpunkt in deinem Leben, an dem du spürst, das es Zeit ist, eben genau diese einer Revision zu unterziehen. Das Ergebnis: Einiges in meinem Leben musste angepasst werden, zu stark der konsumorientierte Alltag, zu wenig kritische Reflektion des Gewohnten. Als ich damit vor 7 Jahren begann, löste das in meinem sozialen Umfeld eine – zunächst – auf mich empathische wirkende Teilhabe aus. Es war ein beliebtes Gesprächsthema in den Bars und Restaurants.

Ich begann Schritt für Schritt mein Leben umzubauen. Vor ein paar Monaten war sozusagen  das neue Haus fertig und ich zog aus dem Leben, indem ich bisher verortet war, aus. Aber offensichtlich war ich zuvor nicht deutlich genug gewesen – denn nun wurde es unangenehm. Die Reaktionen auf meinen Entschluss waren so, als hätte ich jemanden das Sandförmchen geklaut. Es wurden buchstäblich Fesseln aus Emotionen um meine Handgelenke gelegt, man wollte mich vor mir selbst beschützen und appellierte an meine Verantwortung als Mutter und ein bis dahin geliebter Mensch erklärte mir, dass er nun nicht mehr mein Freund sein konnte. Es scheint mir, dass ich bisher unterschätzt habe, wieviel Beziehungen mit Mengenleere zu tun haben. Verkleinert sich die Schnittmenge der sozialen (kulturellen) Gemeinsamkeiten zweier Personen stetig, kommt irgendwann der Moment da stehen zwei isolierte Kreise nebeneinander. Ich hatte geglaubt, das ich auf meinem Weg alle Menschen, die mir etwas bedeuten und denen ich etwas bedeute, mitnehmen könnte. Jetzt weiß ich das Menschen verlieren werde.

Als ich vor kurzem in einer Kneipe einer Fremden von meine Erfahrungen erzählte (zugegeben ich war ein bisschen betrunken), sagte sie mir: Das ist ja wie ein Coming Out. Die gleichen Mechanismen. Umso länger ich darüber sinnierte, umso eindeutiger erkannte ich die Parallelen. Wenn Du Deine Box, deine Blase, deinen Lebenslauf, deinen Beruf, deine „Klasse“, deinen sexuellen Orientierung verlässt, ist das wie ein soziales und in gewisser Weise auch kulturelles Coming Out. Du bist nicht mehr die Norm.

Interessantes Gefühl und irgendwie bestätigt es mich, alles, aber auch wirklich alles richtig gemacht zu haben. Jetzt stellt sich die Fragen, was erwartet mich da draußen?

Vermintes Land oder auch unentdeckte Magie

von Dima Mustafa Sakran

Das ist mein erster Artikel hier. Ich wurde gebeten, nicht mehr als 300 Wörter zu schreiben. Ich nickte unzufrieden, da ich die Zahl zu klein fand. Wie könnten 200 Wörter für meine Gedankenreichen, die meinen Kopf wie eilige Passanten in einer überfüllten Straße durchpflügen.

Als ich zu Schreiben begann, fand ich mich unfähig, über irgendein Thema zu schreiben, wie ein auf dem Bürgersteig ausstehender gelähmter Bettler, der die Füße der Passanten.

Das ist mein erstes Mal, das ich in einer fremden Sprache schreibe, und ich mache mir darüber Sorgen, dass meine Gefühle „fake“ aussehen könnten, oder meine Gedanken wie ein verwirrtes Kind scheinen.

Aber ich weiß, dass Schreiben meine einzige Brücke zur anderen Seite ist. Und ich möchte es erreichen.

Ich habe einmal zu einem deutschen Bekannten gesagt, dass ein Gespräch, das zwischen zwei verschiedene Sprachen sprechenden Menschen durchgeführt wird, wie ein Lauf auf einem verminten Stück Land sei. Er verzog seine Lippen, da ihm die Metapher nicht gefiel. Es hat ihn erschreckt, dass ich so ein kriegerisches Wort wählte. Aber es ist so. Bei jedem Gespräch erwarte ich eine Explosion und verstecke mich im Schützengraben versteck .

Er sagte mir, ein Gespräch zwischen von zwei aus unterschiedlichen Kulturen kommenden Personen sei wie ein erster Eintritt in das Haus von der Fremden. Sie sehen immer schöner als unsere Häuser aus. Sie faszinieren uns mit ihren unbekannten Details, und wir warten gespannt auf deren Geschichten. Immer überwältigt uns die Neugierde darauf, was es hinter den geschlossenen Türen der Zimmer geben könnte.

Ja, das ist es, was ich es versuche, auf diese vielversprechende Türen zu klopfen, und mich der Magie der sprachlichen Details und den neuen Entdeckungen hinzugeben. Sind Sie mit mir zu diesem Abenteuer bereit?

Die Liebe ist weiblich

Von Baraa Altoubah, Writing Talents, FLAX Women Academy 2018

 

Er fragt: Glaubst du, dass die Wissenschaft männlich ist ?

Sie antwortet: Ich weiß, dass das Wissen weiblich ist.

Er stellt fest: Das Licht männlich ist.

Sie antwortet: Ich sehe, dass die Sonne weiblich ist.

Er fragt: Magst du nicht, dass die Poesie männlich ist?

Sie antwortet: Ich denke, das das Gefühl weiblich ist .

Er fordert: Merkst du nicht, dass das Universum männlich ist .

Sie sagt: Ich weiß, dass das Sein weiblich ist.

Er atmet tief ein und sieht sie einen Moment lang an und sagt: Da ist einer, der mir versichert hat, dass die Dummheit weiblich ist.

Sie sagt zu ihm: Dann soll der eine mir erklären, dass die Ignoranz männlich ist

Er tritt zurück und nimmt den Becher und trinkt aus ihm und lächelt sie an.

Dann sagt er zu ihr: Lass mich bekennen, dass die Liebe weiblich ist .

Transkulturell, Kulturelle Identität, Interkulturell, Tansnational, Multikulturell

Ich schreibe einen Artikel über die Zusammenarbeit verschiedener Kulturen in Projekten. Es ist schwer den richtigen Begriff zu finden, insbesondere wenn man der Auffassung ist, das die ewige kulturelle Stigmatisierung eines der Probleme ist. Man könnte sich fragen, ob die Kategorisierung in Kulturräume seitens der Kulturschaffenden eine Art Henne/Ei Problem ist. Wer war zuerst da, z.B. die geographische Zuordnung von Kultur (heute noch zu sehen in vielen “Völkerkundemuseen”) oder die Verweigerung der Teilhabe an kulturellen Events aufgrund einer geographische Zuordnung der Teilnehmer…

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von Air Kopty, FLAX Postcardstories, FLAX Women Academy

 

My day starts too early and ends too late. Last night I watched a group of drunken men talking to a single woman. They were probably harassing her. I couldn’t do much to help, I’m not supposed to. I couldn’t hear what they were saying, but I could guess. I wanted to help this woman, scream for help, but I couldn’t move. I’m stuck in this thing and can never move until they move me to another place. I see a lot every day. There is this guy who takes his daughter every day to school. They seem unhappy. Where is the mother? I have never seen her with them. Did she leave them? The other day I saw an old lady, talking to herself. She seems poor and a little senile. She was collecting empty bottles from the trash bins. Where the hell is her family? This society is so cruel. And that musician who enters the U-Bahn every day to play music and collect whatever passengers offer. I have to admit that I like watching him. I think he likes to watch me too. It’s probably my body that he likes.

Oh God. I hate this place. I hate this damn perfume below me. Let me out.